„Marshall to Me with Young Professionals“

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Vor dem Hintergrund des siebzigjährigen Bestehens des US-Marshallplans organisierte der German Marshall Fund Berlin (GMF) in Kooperation mit dem Center for International Security and Governance (CISG) der Universität Bonn am 27. April 2017 einen Workshop mit dem Titel „Marshall to Me with Young Professionals“.

Von morgens bis in den Nachmittag hinein fanden sich 14 Teilnehmer im Universitätsforum in der Heussallee 18-24 ein, um über gemeinsame Werte und den Geist des Marshall-Plans vor dem Hintergrund neuer politischer Herausforderungen zu diskutieren. Der Workshop unter der Leitung von Corinna Blutguth und Caspar Kolster stand unter dem Zeichen eines gemeinsamen Werte- und Prinzipienfundaments als Wesensmerkmal der westlichen Welt, besonders auch in Hinblick auf die Zukunft der transatlantischen Kooperation. In offenen Diskussionsrunden und Gruppenarbeiten beschäftigten sich die Teilnehmer aus

diversen Bonner Institutionen und Organisationen mit grundlegenden Fragen zur Fundierung ihrer täglichen Arbeit: Mit welchen Werten identifizieren Sie sich? Welche dieser Werte sind wesentlich für den Bestand unserer Gesellschaft? Welchen Gefahren ist unsere Wertegemeinschaft ausgesetzt? Und was können wir alle –im beruflichen Alltag in NGOs, Unternehmen, regierungsnahen Einrichtungen, Medien oder Universitäten ebenso wie privat – dazu betragen, diese Werte zu schützen und zu stärken?

Ein informelles Positionierungsspiel in der Kennenlernrunde mündete in eine Frage, die gleich zu Beginn des Workshops illustrierte, wie schwierig die Auseinandersetzung mit Wertefragen sein kann: Sind militärische Interventionen gerechtfertigt, um Menschenrechte zu wahren? Nach einem einführenden Vortrag vom Leiter des CISG, Prof. James D. Bindenagel, der vor dem Hintergrund seiner eigenen beruflichen Erfahrung im Dienst der westlichen Wertegemeinschaft einen Vortrag über die Zukunft der wertebasierten internationalen Ordnung hielt und dabei symbolisch das Zepter an die jüngere Generation übergab, konnten im Laufe des Tages einige Fragen rund um den Themenkomplex diskutiert und erhellende Erkenntnisse gewonnen werden. Auf diesem Weg trug der Workshop nicht nur dazu bei, ein Bewusstsein für individuelle Werte und Vorstellungen zu schaffen, sondern auch zu hinterfragen, was hinter abstrakten Begriffen steht, für wie wichtig wir diese halten und wie wir unser Handeln daran ausrichten.

Eine häufige These in Medien und Wissenschaft besagt, dass die westliche Wertegemeinschaft vor dem Hintergrund vielfältiger Krisen vom wiedererstarkenden Nationalismus über Terrorismus bis hin zum Klimawandel in der Auflösung begriffen ist. Dabei spielen insbesondere unsere eigenen Reaktionen auf externe Bedrohungen in Hinblick darauf eine maßgebliche Rolle, welche Auswirkungen diese Krisen langfristig auf die westliche Wertegemeinschaft haben werden. Der Workshop zeigte jedoch, dass das Bekenntnis zu gemeinsamen Werten unter vielen Nachwuchskräften in Schlüsselpositionen vielfach ungebrochen ist. Anstelle der Betrachtung von Krisen aus einer angstgeprägten Gefahrabwehrperspektive könnte es sich lohnen, über die Entwicklung einer tragfähigen positiven Zukunftsvision nachzudenken, wie eine der Teilnehmerinnen vorschlug. Am Ende des Workshop-Tages schloss Prof. Bindenagel mit dem Fazit, dass sich das Engagement der jungen Generation trotz aller Krisen allen Anlass liefere, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.

Sehen Sie das Video zum Workshop hier: