Trump(ets) for Freedom? Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen

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Bericht

„Trump(ets) for Freedom? Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen”

Vortrag von Dr. Andrew B. Denison
Direktor von Transatlantic Networks

20. März, 2018, 6 – 8 pm (c.t.)
Conermann-Raum, CISG
Heussallee 18-24, 53113 Bonn

 

Auch nach der Münchner Sicherheitskonferenz scheint die Welt nicht klüger über die außenpolitischen Leitlinien Donald Trumps. Die Befürchtungen eines Bruchs mit den Grundfesten der US-Politik und die grundlegenden Zweifel an seiner Regierungsfähigkeit halten sich hartnäckig. Welchen Bewegungsgesetzen folgt die amerikanische Außenpolitik und welche Rolle spielt dabei die kürzlich veröffentlichte Nationale Sicherheitsstrategie? Wie ist es um die freiheitliche, liberale Weltordnung und die Handlungsfähigkeit der Atlantischen Allianz bestellt? Wie gesund sind schließlich die traditionellen Beziehungen zwischen Washington und Berlin?

Um diese und weitere Fragen zu diskutieren, hatten die Junge DGAP-Forum NRW und das Center for International Security and Governance am 20. März 2018 einen Vortrag von Dr. Andrew Denison organisiert, dem, Direktor von Transatlantic Networks und einer der führenden USA-Experten. Nach einigen einleitenden Worten von Matthias Haget (CISG) und Cedric Bierganns (Junge DGAP), begann Dr. Denison seinen Vortrag mit seiner Analyse der aktuellen Entwicklung im internationalen System. Der Pax-Atlantica sei seit Ende des 2. Weltkrieges die Grundlage des Friedens für Amerika und Europa, welcher bis heute Bestand habe. Verantwortung gegenüber seinen Partnern spiele in diesem System eine wichtige Rolle, jedoch sei der Begriff der Verantwortung oftmals unterschiedlich definiert. Laut Dr. Denison definieren die USA und viele andere Staaten Verantwortung vor allem als finanziellen Beitrag. Neben dem Begriff der Verantwortung sei auch der Begriff der Macht von Bedeutung. Für das Unterschiedliche Verständnis dieser Begriffe sei die Staatsform eines jeweiligen Staates entscheidend. Beispielhaft dafür zählte Dr. Denison zahlreiche historische Auslegungen auf.

In der Folge ging Dr. Denison auf die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA ein und stellte fest, dass die USA weiterhin eine Sicherheitsgarantie für Deutschland und Europa darstellen und die USA weiterhin Deutschlands größter Markt sowie Europas größte Bank seien. Dies habe sich auch nicht unter Präsident Trump geändert. Die USA seien für Deutschland und Europa immer Vorbild und Feindbild zugleich und unter Trump, der besonders in Europa Hass und Angst hervorrufe, steche momentan eher eine Art ‚Feindbild‘ hervor.
Die Kernfrage sei die der zukünftigen Gestaltung der transatlantischen Beziehungen und der Ausgestaltung des internationalen Systems. Daher stellte Dr. Denison im weiteren Verlauf fünf Thesen vor, die die USA unter Donald Trump, die transatlantischen Beziehungen sowie die möglichen Szenarien zukünftiger US-Außenpolitik zu erklären versuchen: „1) Die Wahl Trumps offenbart zwar die verrückte Seite der USA, gleichzeitig wird jedoch klar, dass die Amerikaner nicht von der Bildfläche verschwinden. 2) Die Herausforderung Trump macht Amerika stark. 3) Die Präsidenten kommen und gehen, die amerikanischen Interessen bleiben bestehen. 4) Europa muss aufwachen und aufstehen. Und 5) Ein Pax-Humana anstelle eines Pax-Atlantica ist wahrscheinlich, aber nicht unausweichlich. Der Erhalt des Pax-Atlantica und die Zukunft der transatlantischen Beziehungen benötigen von allen Seiten mehr als nur ein Lippenbekenntnis. Sowohl die USA als auch Europa, und – insbesondere Deutschland – müssen in den Pax-Atlantica investieren, finanziell wie auch diplomatisch.“ (Mehr zu den fünf Thesen von Dr. Andrew Denison unter: http://transatlantic-networks.de/pax-atlantica-quo-vadis/)

Nach Dr. Denison Ausführungen wurde schließlich die Debatte eröffnet. Dabei stellten die anwesenden Teilnehmer durchaus kritische Fragen und diskutierten unter anderem auch die Auswirkungen von Trumps Innenpolitik auf außenpolitische Strategien, das Selbstverständnis der USA auf internationaler Ebene, die Rolle der USA in und für Europa und die zukünftige Ausrichtung der US-Außenpolitik und der transatlantischen Beziehungen nach Donald Trump.

Zum Abschluss der lebhaften Debatte und zum Ausklang des Abends waren die Teilnehmer zu einem kleinen Empfang geladen, bei dem die Diskussionen in kleinen Gruppen und in gemütlicher Atmosphäre fortgesetzt wurden.