Cyber Security Slam

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Ein Science Slam. Zwei Runden. Sechs interessante Kurzvorträge. Ein Gewinner!

Prof. James D. Bindenagel, Henry-Kissinger-Professor und Direktor des CISG.

Nachdem die digitale Welt mit ihren vielfältigen Herausforderungen für Politik und Sicherheit jüngst eines der Hauptthemen beim Gipfeltreffen in Davos war, wie Prof. James Bindenagel zur Eröffnung des Abends bemerkte, ist der Komplex der Cyber Security nun auch im Herzen der Bonner Universität angekommen: In einer erstmaligen Kooperation zwischen dem Center for International Security and Governance der Uni Bonn (CISG) und dem Gustav-Stresemann-Institut e.V. (GSI) fand am Dienstag, den 30. Januar 2018 der 1. Bonner Cyber Security Slam statt. Als erster seiner Art sollte der Wissenschaftswettbewerb unter der Moderation von Zulfikar Abbany, Journalist bei der Deutschen Wellen, ein Interesse an Digitalisierung wecken und den mit ihr verbundenen fundamentalen Wandel des alltäglichen und politischen Lebens beleuchten. Im Mittelpunkt des Abends stand die Cyber Security als ein häufig vernachlässigter Aspekt der Digitalisierung. In der gemütlichen Atmosphäre des Fritz‘ Café im Universitätshauptgebäude und bei vollen Haus stellten sechs junge Experten und Wissenschaftler auf unterhaltsame Art und Weise ihre Arbeit vor, lieferten Einblicke aus der Branche und boten Denkanstöße, um sich weiter mit dem komplexen Thema zu beschäftigen. Nach der Begrüßung durch Prof. James Bindenagel, Leiter des CISG, und Dr. Ansgar Burghof, Direktor und Vorstand des GSI, leitete Moderator Abbany mit der Verlosung der Startplätze den Abend ein und gab dann die Bühne frei.

Jonathan P. Chapman

Den Auftakt machte Alex Wyllie vom Cyber-Security Startup IT-Seal, indem er anhand eines Angriffsszenarios auf eine fiktive Firma demonstrierte, wie leicht jeder von uns hackbar ist – und dass das schwächste Glied in der Kette der digitalen Sicherheit immer noch der Mensch ist, wogegen Anti-Virensysteme und Firewalls machtlos sind. Im Anschluss daran fokussierte sich die Performance von Jonathan Chapman, Doktorand am Fraunhofer Institut, auf versteckte Kommunikationsmethoden und das tinkering, einer Methode zur Verschlüsselung von Informationen, bei der Daten in unverdächtig wirkenden Bilddateien versteckt werden – eine Technologie, die bei Geheimdiensten ebenso zum Einsatz kommt wie bei der Schadsoftware Banker, die zur Infiltrierung von Konten eingesetzt wird. Markus Maybaum vom Kommando Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr schloss den ersten Block des Cyber Security Slams ab, indem er zeigte, wie ein neuartiges globales Intrusion Prevention System dabei helfen könnte, Bedrohungen abzuwehren, indem es Störungen im Control Flow von Softwares erkennt und ähnlich einer biologischen Immunreaktionen den frühzeitigen Umgang mit den entsprechenden „Reizen“ lernt.

Bartosch Makosch

Nach einer kurzen Pause beleuchtete Christian Schmickler, Geschäftsführer von Skymatic, warum die Evolution menschlicher Instinkte nicht mit dem technischen Fortschritt mithalten kann. An den Beispielen von Cyberkriminalität und des neu eingeführten Social Scoring System in China verdeutlichte er im Anschluss daran die ernstzunehmenden Gefahren eines zu sorglosen Umgangs mit Datenschutz und der digitalen Privatsphäre. Mit seiner Limonaden-Analogie gewürzt mit einem Schuss Tequila hatte Schmickler zum Abschied die Lacher auf seiner Seite. Der ehemalige Mannheimer Informatiker Bartosz Makosch zog nach einem Rundumschlag von einer knappen Geschichte der Digitalisierung bis zu einer Blitz-Publikumsumfrage das Fazit, dass vom Durchschnittsbürger über Staatschefs und selbst Brancheninsidern niemand so richtig durchblickt und der Cyberraum ein selbst für Experten kaum durchschaubarer Dschungel bleibt. Den Abschluss des Abends machte schließlich Verena Diersch, Doktorandin an der Köln, die in ihrer Dissertation den Inhalt der Snowden-Papiere ausgewertet hat und einen Einblick in die Strukturen der digitalen Überwachung durch internationale Geheimdienste bot, die durch die NSA-Affäre ans Licht gekommen sind. Sie schloss den Abend mit einem Aufruf an das Publikum ab, sich im ewigen politischen Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit deutlich zu positionieren und Verantwortung für die eigene digitale Privatsphäre zu übernehmen.

Prof. Bindenagel gratuliert dem Sieger des Slams, Christian Schmickler.

Nach einem mehr als knappen Publikumsvotum wurde Christian Schmickler mit seinem Beitrag „Im Internet sind wir alle Draufgänger“ per Applaus schließlich zum Sieger des Abends gekürt und konnte das Preisgeld von 500,00€ mit nach Hause nehmen. Nicht zuletzt dank der lebhaften Diskussionen und einer Vielzahl wissbegieriger, neugieriger und kritischer Fragen des Publikums wurde der Abend so ein voller Erfolg. Wie Dr. Burghof angesichts der gelungenen Kooperation der beiden Institute und der überwältigenden positiven Resonanz ankündigte, wird der Cyber Security Slam sicherlich nicht die letzte Veranstaltung dieses Formats gewesen sein.

 

 



Die „Slammer“

Jonathan P. Chapman

– Tinker, Banker, Soldier, Spy –
von Jonathan P. Chapman

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Welche Rolle spielt ein Bild wenn Ihr Konto leergeräumt wird? Was hat Twitter mit russischer Spionagesoftware zu tun? Und warum interessiert sich die NSA für eine Schneelandschaft von oben? Dieser Vortrag zeigt Zusammenhänge auf, gewährt einen Einblick in zunehmend populäre Methoden zur Verschleierung von Kommunikation und wie diese erkannt werden können.

Jonathan P. Chapman hat zahlreiche nationale und internationale Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Erkennung und Bekämpfung von Bedrohungen im Cyber-Raum geleitet. Seine Forschungsschwerpunkte sind Anomalieerkennung, Maschinelles Lernen und Schadsoftware-Kommunikation.


Jonathan P. Chapman

– Don’t mess with your (big) brother! – Die NSA-Affäre aus deutscher Sicht –
von Verena Diersch

Die Snowden Leaks brachten so einiges zutage: ein ausgeklügeltes Überwachungssystem, das in jeden noch so kleinen Winkel der Welt reicht. Der größte Umschlagplatz dieser gesammelten Datenmengen befindet sich in Großbritannien. Hier laufen die europäischen Glasfaserkabel zusammen. All diese Daten, die sich zum größten Teil aus der alltäglichen Internet-Kommunikation speisen, befinden sich in der Hand zentraler Akteure, welche schon immer eng mit den Deutschen kooperiert haben: die amerikanischen Geheimdienste. Welche Rolle spielen die Deutschen in diesem Spiel? Sind sie Opfer oder Profiteur? Und warum sind alle nach der NSA-Affäre wieder zur Normalität zurückgekehrt?

Verena Diersch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Internationale Politik und Außenpolitik der Universität zu Köln und beschäftigt sich in Lehre und Forschung mit den Themen Nachrichtendiensten und ihrer Kooperation, Cyber Security sowie Theorien der Außenpolitik und der Internationalen Politik. Sie ist außerdem Redakteurin der Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik und betreut federführend den Bereich Social Media.


Jonathan P. Chapman

– Welcome to the Cyber-Jungle! –
von Bartosz Makosch

Mein Slam konfrontiert Euch mit der Cyber-Welt und Eurem Umgang mit Daten. Im diffusen Cyber-Dschungel, in dem wir uns heutzutage befinden, möchte ich versuchen Ordnung in das Wirrwarr zu bringen. „Cyber“ ist zu einem populären Präfix geworden und Wolfang Ischinger (Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz) machte „Cyber-Security“ sogar zur „Chefsache“. Die Zeit mit Mp3-Playern mit 128MB Speicherkapazität liegt noch nicht all zu lange zurück. Seitdem hat sich offensichtlich einiges getan. Geräte und unser Nutzungsverhalten haben sich enorm verändert. Das Streben nach Fortschritt birgt einerseits Gefahren wie Sicherheitslücken, Daten-Lecks in Unternehmen auf Softwareebene oder auch auf Hardwareebene. Andererseits haben wir eine Vielzahl an „smarten“ Möglichkeiten, unseren Alltag zu vereinfachen. Wir befinden uns auf einem Weg, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Also? Rein in den Cyber-Dschungel!

Bartosz Makosch, Ex-Mannheimer und seit Neujahr Bonner, hat erfolgreich Informationstechnik studiert und war nebenbei 8 Jahre in einem Schlaflabor tätig. Mit seinem Umfeld teilt er mit Begeisterung sein Wissen, schöne Momente und innovative Ideen. Dafür bietet sein ins Leben gerufener „Verein für coole Dinge“ viel Raum. ein Verein, der für allerlei Ideen und deren Umsetzung eine Plattform bereitstellt. Neben kostenlosen „Cyber“-Workshops für jederfrau und jedermann, wühlt er sich mit seinen „Cyber“-Kollegen, den „Squareroots“ aus Mannheim, im Rahmen von „CTF-Events“ durch Programmcodes.


Jonathan P. Chapman

– „Sie werden assimiliert“ – oder: der Cyber-Raum – willkommen im Kollektiv … –
von Markus Maybaum

Sie wussten noch nicht, dass sie längst Teil einiger neuer Kollektive sind? – Wir zeigen sie Ihnen – im Cyber-Raum. Wir zeigen Ihnen Ihre aber auch die damit verbundenen (neuen) Abhängigkeiten und Risiken: Wir wollen Cyber-Sicherheit – derzeit bekommen wir aber das Gegenteil: mit jeder neuen Super-Schadsoftware wird uns unsere Verwundbarkeit aufs Neue gezeigt – steigt die Unsicherheit – und wir werden aus unserer Komfortzone getrieben, wie ein Muskelkater – oder eine schmerzhafte Verspannung im ständigen Patch-, Update- oder Wiederherstellungs-Stress.

Dieser Slam soll gegen derartige Verspannungen Abhilfe schaffen. Wie werden in zukünftigen Architekturen Schadsoftwareepidemien eingedämmt oder sogar verhindert werden können? Hierfür zeigen wir eine Blaupause für ein globales IPS (Intrusion Prevention System). Wir sind die Architekten des Kollektivs – und gegen digitale Verspannungen haben wir eine passende Cyber-Black-Roll in unserem Portfolio – lassen Sie sich inspirieren.

Markus Maybaum – Ein Offizier und Gentleman – mit dem Hauch eines Weltverbesserersyndrom – sowie einem Faible für Black-Rolls. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Soldat im neuen Bundeswehr-OrgBereich CIR ist er Ambassador des NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence in Tallinn (Estland) und arbeitet nebenberuflich als wiss. Mitarbeiter beim Fraunhofer FKIE an seiner Promotion zum Thema „Rüstungskontrolle im Cyber-Raum“.


Jonathan P. Chapman

– Im Internet sind wir alle Draufgänger –
von Christian Schmickler

Haben Sie Ihre digitalen Instinkte gesehen? Wir auch nicht. Der Privatsphäre ergeht es wie einer reifen Zitrone: Sie wird ausgequetscht. Und keine Sau interessiert sich dafür. Ist ja auch lecker, die Limonade, die Google, Facebook & Co aus dem sauren Saft machen. Zum Glück haben Sie persönlich nichts zu verbergen. Und falls doch, wäre es ja ohnehin schon zu spät. Die wissen sowieso schon alles. Nicht wahr?

Christian Schmickler ist geschäftsführender Gesellschafter von Skymatic und Experte für Privatsphärenschutz und informationelle Selbstbestimmung. Er befasst sich mit der sinnvollen Gestaltung der Digitalisierung für Mensch und Unternehmen.


Jonathan P. Chapman

– What the f…phish? Vom Nigerian Scam bis zum Hilary Clinton Hack –
von Alex Wyllie

Sind Sie selbst schon auf Phishing reingefallen? Sicher nicht, dass passiert ja auch nur unachtsamen und naiven Mitbürgern. Spaß beiseite, jeder ist phishbar. Kriminelle lassen sich immer neuere Tricks einfallen, um Schadsoftware zu verteilen und persönliche Daten sowie diverse Login Daten abzugreifen. Wer will uns phishen, was sind die Motive und was können wir dagegen tun? Ein Überblick.

Alex Wyllie – Alex studierte molekulare Biotechnologie und gründete nach seinem Studium das Cyber-Security Startup IT-Seal. Ein Startup, dass respektvolle Cyberangriffe auf Mitarbeiter simuliert, damit man die Tricks der Betrüger im geschützten Rahmen praxisnah kennenlernt.

 

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