Die Henry-Kissinger-Professur – Ein Bericht

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Update: 5. August 2019

Zu Ehren des 90. Geburtstags des früheren US-Außenministers und Nobelpreisträgers Henry A. Kissinger am 26. Mai 2013 wurde zu Beginn des Wintersemesters 2014/15 an der Universität Bonn die Henry-Kissinger-Stiftungsprofessur für Governance und Internationale Sicherheit eingerichtet. Ziel der Stiftungsprofessur ist es, die Forschung und Lehre in Fragen der internationalen Sicherheit zu fördern sowie den sicherheitspolitischen Diskurs in der Bundesrepublik im Sinne strategischer Studien weiterzuentwickeln.

Das CISG

Als institutioneller Rahmen der Professur dient das Center for International Security and Governance (CISG), welches sich seit 2014 im Aufbau befindet. Eine Einrichtung, die sich ergänzend zu den Leitlinien der Henry-Kissinger-Professur als Schnittstelle zwischen der Forschungsarbeit an der Universität und in der Wissenschaftsregion Bonn einerseits sowie der nationalen und internationalen sicherheitspolitischen Debatte andererseits versteht.

Nach knapp 45 Jahren im Dienst der Vereinigten Staaten übernahm James  D. Bindenagel als erster Inhaber die Henry-Kissinger-Professur und die Leitung des Center for International Security and Governance (CISG). Prof. Bindenagel war als Unterhändler bei der Entwicklung des Kimberley-Prozesses zum Verbot des Handels mit Blutdiamenten (2002-2003) sowie als Sonderbotschafter der Vereinigten Staaten für Holocaust-Fragen (1999-2002) tätig. Zudem fungierte er als Senior Fellow für die New Transatlantic Agenda des German Marshall Fund of the United States (1997-1998), als amtierender US-Botschafter in Deutschland (1996-1997) und als Gesandter der US-Botschaft in Deutschland (1994-1996) sowie in der DDR (1989-1990).

Über die vergangenen Jahre seit der Einrichtung der Professur und Gründung des CISG wurden als Teil des politikwissenschaftlichen Masterstudiengangs Lehrseminare an der Universität unter anderem zu den Themen „Krisen, Konflikte, Kontroversen“, „World Order in Upheaval“,  „International Security in the 21. Century“ und „Strategy in an unraveling World Order: US-American and German Foreign Policy“ abgehalten. Die Seminare sind voll besetzt und erfreuen sich unter den Studierenden hoher Beliebtheit, insbesondere aufgrund ihrer Praxisorentiertheit und Nähe zu aktuellen Herausforderungen der Außen- und Sicherheitspolitik.

© Volker Lannert

Darüber hinaus wurden mehrere wissenschaftliche Fachkolloquien und Veranstaltungen zu aktuellen außen- und sicherheitspolitischen Themen veranstaltet. Vor einer Vielzahl von Doktoranden, wissenschaftlichen MitarbeiterInnen und Studierenden referierten beispielsweise Prof. John Mearsheimer (University of Chicago), Cathryn Clüver Ashbrook (Harvard University), Dr. Gregor Gysi (Die Linke), Wenzel Michalski (Human Rights Watch), Dr. Karl-Heinz Kamp (Bundesakademie für Sicherheitspolitik), PSt Ulrich Kelber (Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz), Shaki Allam (Großmufti Ägyptens) u.v.m.

Zudem hat die Einrichtung der Henry-Kissinger-Professur vielfältige Kooperationen mit dem Ziel einer stärkeren Vernetzung der Universität Bonn mit nationalen und internationalen Institutionen im Bereich der transatlantischen Beziehungen und Sicherheitspolitik ermöglicht. So finden beispielsweise gemeinsame Veranstaltungen und Vorträge mit der

© Volker Lannert

Bundesakademie für Sicherheitspolitik, der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, dem U.S. Generalkonsulat Düsseldorf, dem Global Marshall Fund of the United States, dem American Institute for Contemporary German Studies, der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, dem Bonn International Center for Conversion, der Stadt Bonn u.v.m. statt.

Die wohl bedeutenste Errungenschaft der Arbeit des Henry-Kissinger-Professors und des CISG ist die Etablierung eines Internationalen Sicherheitsforums an der Universität Bonn. Seit 2016 treffen sich hochrangige internationale ExpertInnen, WissenschaftlerInnen und Praktiker aus der Politik in Bonn für mehrere Tage, um strategische Lösungen für aktuelle Herausforderungen in der Außen- und Sicherheitspolitik zu finden.

© Volker Lannert

Das Forum beinhaltet inzwischen nicht nur offene Diskussionsrunden, sondern auch sogennante Szenario-Rundtische zur Zukunftsanalyse sowie „Special Focus Days“ zu nicht-klassischen Sicherheitsthemen wie Cyber Security und Künstliche Intelligenz. Inbesondere junge NachwuchswissenschaftlerInnen und ExpertenInnen erhalten hier die Möglichkeit, neue Perspektiven in die Diskussion einfließen zu lassen und „out-of-the-box“-Denken zu fördern.

Gleichzeitig nimmt der amtierende Henry-Kissinger-Professor, James D. Bindenagel, auf nationalen und internationalen sicherheitspolitischen Foren und Konferenzen nicht nur als Gast, sondern auch als Redner und Vortragender teil. Auch mit Gastartikeln in überregionalen und internationalen Zeitungen setzt er so wichtige Impulse zur Ausprägung eines informierten sicherheitspolitischen Diskurses in Deutschland.

Mit der Veröffentlichung des Sammelbandes „Internationale Sicherheit im 21. Jahrhundert: Deutschlands internationale Verantwortung“ wurde zudem ein wichtiger Beitrag für die sicherheitspolitische Debatte in Deutschland geleistet. Darin zeichnen renommierte Experten aus dem In- und Ausland nicht nur ein Panorama klassischer Sicherheitsbedrohungen, sondern inbesondere auch neuartiger Herausforderungen wie Ressourcen- und Verteilgungskonflikte, fragile Staatlichkeit, Terrorismus und Klimawandel. Gleichzeitig zeigen Sie strategische Ansätze auf, wie man ihnen effektiv und sinnvoll gegenübertreten kann. Der Band steht für Sie gratis auf der Homepage des CISG zum Download bereit.