Bericht: „Die Bedeutung von Diplomatie in der Syrienkrise“

cisgbonn Allgemein

Am 29. Juni 2016 lud das Center for International Security and Governance (CISG) zur Diskussionsveranstaltung „Die Bedeutung von Diplomatie in der Syrienkrise“ im Festsaal der Universität Bonn ein. Zu Gast hatte das CISG den US-Gesandten Kent Logsdon, den ehemaligen deutschen Botschafter in den USA, Dr. Klaus Scharioth, und Dr. Usahma Darrah, externer Berater der Nationalen Syrischen Koalition. Durch die Veranstaltung moderierte der stellvertretende Programmgeschäftsführer von phoenix, Michael Kolz.

(Aufgrund der für die Veranstaltung geltenden Chatham House Rule werden im folgenden Veranstaltungsbericht keine direkten Zitate der Diskutanten wiedergegeben.)

IMG_20160629_181634Professor Bindenagel wertschätzte in seiner Einführung die immense Bedeutung von Diplomatie. Seiner Meinung nach sei deren Hauptaufgabe, Herausforderungen in Chancen zu verwandeln und Kriege zu vermeiden. Noch deutlicher wurde er mit einem Zitat des französischen Diplomaten Jean Jules Jusserand: „Diplomaten wurden notwendig […] als sich die schicksalhafte Büchse der Pandora öffnete, sich das Böse in der ganzen Welt verstreute und anschließend gedieh.“

Im Falle Russlands sei außerdem zu berücksichtigen, dass das Regime unter Präsident Wladimir Putin sich durch seinen Bombenkrieg gegen große Teile der syrischen Bevölkerung schlimmster Verbrechen gegen die Menschheit schuldig mache. Insbesondere Deutschland stehe daher in der Pflicht, stärkere Sanktionen gegenüber Russland in Betracht zu ziehen.

Für die USA sei in Syrien eine Summe von Faktoren von Bedeutung, die die Lösung dieses Konflikts äußerst kompliziert mache, auch weil eine Entsendung von Bodentruppen derzeit äußerst unwahrscheinlich erscheine. Eine Lösung des Konflikts werde sich noch über Jahre ziehen.
Als positive Beispiele und Vorbilder für Syrien beim Weg aus der weltpolitischen Isolation zurück in die Weltgemeinschaft, wurden die Länder Kuba und Iran genannt: in beiden Fällen sei es gelungen mittels bi-und multilateraler Gespräche zum Erfolg zu gelangen. In Syrien sei allerdings insbesondere die humanitäre Lage im Land völlig unterschätzt worden. Diese müsse kurzfristig unbedingt verbessert werden, beispielsweise durch ein stärkeres Eingreifen der UNO-Flüchtlingshilfe.
Als schwierig gestalte sich außerdem die Zusammenarbeit der unterschiedlichen syrischen Oppositionsgruppen bei den diplomatischen Verhandlungen in Wien und Genf, da die verschiedenen Lager selten einer Meinung seien. Bei der Vermittlung komme dem derzeitigen UNO-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura, eine besondere Rolle zu.

Zum Schluss der Veranstaltung bekam dann noch das Publikum die Gelegenheit, die Experten nach ihrer Meinung zu fragen. Emotional wurde vor allem über die schlechte Lage im Land und die Rolle des sogenannten „Islamischen Staates“ diskutiert.

Die Intensität der Diskussion und die rege Teilnahme des Publikums versprechen weitere spannende Veranstaltungen zum Themenkomplex. Dieser Auftaktveranstaltung folgt am 14. Juli die Podiumsdiskussion „Im Namen des Islam? Religion als Mittel zum Zweck. Dann unter anderem mit dem Großmufti von Ägypten Shawki Allam.